SK81 Gescher I feiert erfolgreiches Gastspiel in Emsdetten: 5,5:2,5

Spielbericht

Den ersten Sieg in der Verbandsliga Münsterland landeten die Gescheraner Kopfdenker bei der Reserve von Emsdetten am gestrigen Samstag (15.12.2018). Es war ein nervenaufreibender Nachmittag bis gegen 21.45 Uhr unser Sieg feststand und unserer Hoffnung auf einen erfolgreichen Verbleib in der Verbandsliga wieder ein wenig Nahrung gab. Siegreich waren Christoph Eißing, Ludger Priebs, Julian Brands und Hilmar Frieske. Stefan Lanfer, Bernhard Iking sowie Frank Robers teilten sich die Punkte, lediglich Michael Stein verlor seine Partie. Gleichwohl, der Mannschaftskampf verlief dramatisch und hätte durchaus auch in einem Fiasko enden können. Klar freuen wir uns über den auf dem Papier klaren Erfolg, aber wir wissen auch, ihn richtig einzuordnen. Emsdetten war gleichwertig, wir hatten dieses Mal jedoch das Glück auf unserer Seite.

Die Langform:

Ohne die verhinderten Spieler Christian Scho (Brett 1) und Stefanie Lanfer (Brett 4) fuhren wir schon mit einem mulmigen Gefühl nach Emsdetten, wo wir letztes Jahr noch gegen die dritte Mannschaft eine Niederlage einstecken mussten. Gleichwohl war bereits auf der Hinfahrt eine gesunde Anspannung spürbar, wir standen ohnehin vor diesem Gastspiel mit einem Punkt aus vier Spielen bereits mit dem Rücken zur Wand. In der Villa Schilgen trafen wir auf erstklassige Spielbedingungen und eine ebenfalls ersatzgeschwächte Emsdettener Reserve, deren etatmäßigen Nummern 3, 5, 7 und 8 fehlten. Allerdings verfügt Emsdetten über einen breiten und ausgeglichenen Kader, so dass deren aufgebotenen Ersatzspieler in etwa gleichwertige DWZ-Zahlen aufwiesen. Gleich an 5 Brettern hatten unsere Gegner deutlich stärkere Wertungszahlen als wir, an zwei Brettern war es etwa ausgeglichen und an einem waren wir nominell stärker aufgestellt. Insofern gingen wir als klarer Außenseiter in diesen Wettkampf.

Der Mannschaftskampf hatte zwei ausgeprägte Phasen. Der erste Abschnitt endete gegen 19.15 Uhr und ließ uns mit 2,5:1,5 in Front gehen. Den Anfang machte dieses Mal Bernhard Iking an Brett 3, der in einer Slawischen Verteidigung mit den weißen Figuren nach 31. Zügen wie sein Gegner noch Turm und jeweils fünf Bauern auf dem Brett hatte, so dass er sich mit Andreas Nöring um 18:45 Uhr den Punkt teilte. Anschließend musste Michael Stein seinem Gegner Simon Bilecen gratulieren, nachdem dieser eine Leichtfigur für eine Qualität bei anhaltendem Angriff gewonnen hatte und diesen Vorteil nach wenigen weiteren Zügen zum Erfolg führte. Der kurze Schock war schnell verdaut, denn bereits eine Viertelstunde später konnte Mannschaftsführer Christoph Eißing an Brett 1 seine positionellen Vorteile gegen den jungen, aber erfahrenen Adrian Delere (70 Wertungen) in einen Erfolg umsetzen. Christoph war von Anfang an hoch konzentriert die Partie angegangen und konnte die Partie in ein Turmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern überführen, in dem er mit seinen weit vorgerückten Freibauern auf a6 und c6 (von seinem unvertreibbaren Läufer auf e4 gedeckt) den schwarzen Turm zur Blockadefigur auf der a-Linie degradierte. Danach aktivierte er seinen Turm auf der offenen c-Linie, mit unabwendbaren Drohungen auf der schwarzen Grundreihe und/oder Besetzung der vorletzten Linie nebst Turmtausch und Bauernumwandlung. Technisch und positionell sehr schön.

Christophs Sieg hatte sich absehbar entwickelt. Richtig überraschend war dann der plötzliche ganze Punkt von Ludger Priebs an Brett 4 gegen Ansgar Teschler. Offen gestanden hatten wir diese Partie bereits abgeschrieben. Ludger stand in diesem Spiel ohne große Materialabtäusche immer "hinten drin" und musste sich verschiedenster Drohungen erwehren. Dazu hatte er bei gespielten 18 Zügen nur noch 2 Minuten Bedenkzeit. Doch dann gewann er mit einem Damenmanöver eine Leichtfigur, das seinen Emsdettener Gegner so schockierte, dass er unmittelbar aufgab. Ein unerwarteter, aber enorm wichtiger Sieg fürs Team, der Auftrieb gab.

Zu diesem Zeitpunkt stand Stefan Lanfer zwar defensiv, aber äußerst stabil an Brett 2. Julian hatte eine schöne Angriffsstellung an Brett 6, Frank hatte ein T+S-Endspiel mit Mehrbauern und einem aktiven Turm auf der gegnerischen Grundreihe, Hilmar hatte ein sehr schwieriges T+L-Endspiel mit unklarem Ausgang auf dem Brett. An dieser Stelle waren wir gedämpft optimistisch, dass wir etwas mit auf die Heimreise würden nehmen können. Aber die Emsdettener Spieler kämpften und es sollte noch weitere 2,5 Stunden!! dauern, bis wieder etwas Zählbares passierte, dann aber fast alles zeitgleich.

Stefan konnte in einer immer remislichen Stellung zwei weitere Leichtfiguren abtauschen, so dass zwei ungleichfarbige Läufer und zwei sich neutralisierende, ineinander verschachtelte Bauernreihen übrig blieben. Da ging gar nichts mehr, so dass auch der verzweifelt kämpfende Thomas Lücke in eine Punkteteilung einwilligte. Zwischenstand 3:2. Dann machte es Frank spannend, der seine glänzend geführte erste Partiehälfte gegen seinen starken Gegner, Dieter Hemmers, suboptimal fortsetze, seinen materiellen und positionellen Vorteil verspielte und sogar die Qualität geben musste, um ein Matt zu verhindern. Anschließend kämpfte er mit S+ 2 Bauern gegen T+2 Bauern weiter. Damit schien die Partie verloren zu gehen und der Mannschaftskampf war wieder offen. Auch Julians Gegner hatte über fünf Stunden alle Angriffe abwehren können, mehrfach jeweils mit der Zeitgutschrift von 30 Sekunden für jeden gespielten Zug den zeitbedingten Partieverlust vermeiden können, um dann nach der Zeitkontrolle die Stellung weiter konsolidieren zu können. Mit Blick auf den wahrscheinlichen Ergebnisausgleich an Brett 7, wo Frank kurz zuvor die Qualität verloren hatte, bot Johannes Hedwig dann Julian Remis an. Angesichts des Partieverlaufs von Frank und der unklaren Spielsituation bei Hilmar an Brett 8, musste Julian weiter spielen, um ggf. noch einmal kontern zu können.

Hilmar hatte an Brett 8 seinem Gegner bereits mehrfach eine Punkteteilung angeboten, die dieser mit Blick auf den Zwischenstand jedoch immer wieder ablehnte. Viele König- und Läuferzüge später verpasste Hilmars Gegner dann den siegbringenden Zug Kf1 und zog stattdessen seinen Läufer zur Unterstützung seines freien h-Bauern. Damit konnte Hilmar seinerseits seine Bauernmajorität am Königsflügel durch ein Bauernopfer auf f3 gewinnbringend nutzen. Sein Gegner Fehling war perplex und ließ die Zeit laufen. Damit war zumindest der Mannschaftspunkt gerettet. Aber es kam besser. Julian war auch nach fünf Stunden Spielzeit noch frisch genug, in einem D+T+L gegen D+T+S-Endspiel mit jeweils vier Bauern den Bewegungsvorteil seines Läufers so zu nutzen, dass durch Fesselungen unvermeidlich eine Figur gewonnen werden würde, so dass er nach 106 Zügen die Glückwünsche seines Gegners entgegennahm und wir mit 5:2 in Führung gingen.

Trotz des gewonnen Endspiels bot Dieter Hemmers an Brett 7, Frank Robers, angesichts von nur noch 90 Sekunden für den Rest der Partie, ebenfalls ein Remis an. Endstand 5,5:2,5.

Die Rückfahrt nach Gescher verging angesichts der Nachanalyse der Partien, mit den verpassten Chancen, aber auch den glücklichen Momenten, wie im Fluge. Mit nunmehr 3 Mannschaftspunkten haben wir wieder Hoffnung, dass es am Ende für den Klassenverbleib in der Verbandsliga Münsterland reichen könnte. Im Januar geht es gegen Münster IV, deren Spielerreservoir kaum zu überblicken ist.