Dank Überzahl und Zähigkeit: Gescher II holt 4:4 Mannschaftsremis gegen SG Ahaus-Wessum II

Spielbericht

Am 4. Spieltag der Bezirksliga B des Schachbezirks Borken trafen die beiden zweiten Mannschaften aus Gescher und Ahaus-Wessum in der Glockenstadt aufeinander. Schon vorab hatte man sich in Gescher wenig Hoffnung auch auf nur einen Punkt gemacht, da die Gäste aus Ahaus durchgängig deutlich spielstärker aufgestellt sind als das eigene Team.

Zu Spielbeginn stellte sich jedoch heraus, dass die Schachfreunde aus Ahaus zwei der insgesamt acht Bretter aufgrund kurzfristiger Absagen nicht besetzen konnten. Obwohl Ralf Hanses (Brett 2) und Andreas Schlüter (Brett 5) gerne gespielt hätten, gab es dennoch ein wenig Hoffnung auf Seiten des SK 81 Gescher II, denn schließlich stand es nach nur 30 Minuten 2:0 für Gescher. Dieser Vorsprung und ein zum Teil extrem ausdauerndes und zähes Ringen um jeden halben Punkt führten am Ende zur -ein wenig glücklichen- Punkteteilung. Das 4:4 sicherte der zweiten Mannschaft aus Gescher den ersten Mannschaftspunkt, nicht unverdient, da neben Strategie und Taktik auch Zuverlässigkeit als Stärke von Schachspielerinnen und Schachspielern ihren Wert hat. Denn was nützt die Spielstärke, wenn sie nicht am Brett sitzt?

Während die beiden "spielfreien" Gescherer Schachfreunde, Andreas Schlüter und Ralf Hanses, entspannt eine freundschaftliche Trainingspartie spielten, ging es an allen anderen Brettern deutlich verbissener um Sieg oder Niederlage. 

Heinrich Winking (Brett 6) hielt zunächst gegen seinen 300 DWZ-Punkte (!!) stärkeren Gegenspieler gut mit, hatte aber nach einem Bauernverlust ein verlorenes Endspiel mit jeweils einem Turm auf dem Brett. Damit gelang Ahaus-Wessum der Anschlusspunkt. Kerstin Barnstedt hatte sich derweil eine Gewinnstellung mit Mehrmaterial erspielt und zeigte gegen ihren nominell stärkeren Gegenspieler viel Übersicht und Konzentrationsstärke. In einem Endspiel mit Türmen und Bauern gab es Chancen auf beiden Seiten. Insbesondere ein bereits weit vorgerückter Freibauer von Kerstin machte Hoffnung. Da Gescher aber noch in Führung lag und einige Partien für die gastgebenden Glockenstädter als vorteilhaft zu bewerten waren, nahm Kerstin das Remisangebot ihres Gegenspielers gerne an. Auch Jörg Tenbrink (Brett 7) hätte sich ein Remis gegen seinen 400 DWZ-Punkte (!!!) stärkeren Gegenspieler gewünscht und es sah zunächst auch danach aus. Jörg hatte sich positionelle Vorteile und möglichen Raumgewinn im Zentrum mit Angriffsmöglichkeiten auf den rochierten König seines Gegenspielers erspielt, doch leider setzte er diese Möglichkeiten praktisch nicht um. So kam es nach einer Fesselung und einem Figurenverlust zum Verlust der Partie. Plötzlich stand es 2,5:2,5 und es begann die lange Zeit des Hoffens und Bangens.

Silvia Kamp war es, die mit einer sehr starken Leistung ihren Gegenspieler am Spitzenbrett klar überspielte und damit Karl Kessler würdig vertrat. Bereits in der Eröffnung hatte sie sich Raumvorteile, Entwicklungsvorsprung und positionelle Vorteile erspielt. Da ihr Gegenspieler nahezu 200 DWZ-Punkte (!) stärker bewertet war, bot sie trotz dieser Überlegenheit ein wenig übervorsichtig Remis an, das der Ahauser Schachfreund ablehnte. Dass diese Ablehnung ein Fehler war, stellte sich etwa 2 Stunden später heraus. Silvia hatte nämlich dann ihre Figuren optimal postiert, beherrschte mit ihren Schwerfiguren Diagonalen und Linien und war zudem mit einem Turm auf der gegnerischen Grundreihe eingebrochen. Auf eine Mattdrohung gegen den eigenen König achtete sich dabei ständig. Materialverluste und ein Zusammenbruch der Stellung ihres Gegenspielers waren die zwangsläufigen Folgen. Das Ahauser Spitzenbrett musste sich schließlich geschlagen geben: 3,5:2,5 für Gescher.

Nun kämpften noch Dennis Büning (Brett 3) und Michael Gemsa (Brett 4) in sehr schwierigen Stellungen. Es sah erneut nach einem denkbar knappen Mannschaftsverlust aus, das man bei zwei kampflosen Punktegeschenken unbedingt verhindern musste. Beide Gescherer Schachfreude waren zudem in akute Zeitnot gekommen. Es sah nicht wirklich gut aus... Michael Gemsa und sein Gegenspieler (200 DWZ-Punkte stärker !) kämpften mit jeweils beiden Läufern und Türmen sowie einigen Bauern engagiert gegeneinander. Michaels Gegenspieler gelang es aber schließlich, seine Läufer auf sehr aktive Felder zu positionieren und einen Bauern (bis auf die 2. Reihe) vorzuspielen, während Michael zunehmend in die Defensive gedrängt wurde. Nachdem Materialverluste nicht mehr zu vermeiden waren und die Chance auf die eigene Umwandlung eines Freibauern zunichte gemacht worden waren, gab er schließlich auf. 3,5:3,5! Nun musste Dennis Bünings Partie über den Ausgang des Mannschaftskampfes entscheiden.

Aber auch Dennis stand am 3. Brett gegen seinen 250 DWZ-Punkte (!) stärkeren Gegenspieler unter Druck und auf eher verlorenem Posten. Zwar verfügten beide Spieler über Dame, Turm und (verschiedenfarbige) Läufer sowie gleich viele Bauern, doch stand der Ahauser Schachfreund positionell klar besser und hatte Dennis´ König am Rand eingesperrt. Zudem drohte er mit einem Eindringen der Schwerfiguren über die 7. Linie mit nachfolgendem Mattangriff. Trotz extremer Zeitnot behielt Dennis aber die Nerven und verteidigte sich sehr umsichtig. Nachdem es ihm sogar gelungen war, diese 7. Linie selber mit einem eigenen Turm zu besetzen, wuchs die Hoffnung auf ein Remis. Der Ahauser Schachfreund weigerte sich aber in leicht aussichtsreicherer Endspielstellung gleich mehrmals, Dennis´ Remisangebote anzunehmen; kein Wunder, denn er hatte lange eine Gewinnstellung auf dem Brett gehabt, die er -wohl zu seinem eigenen Ärger- nicht in einen Sieg hatte umsetzen können. Erst nach etwa 5 Stunden kam dann die erlösende Nachricht: Remis. Dennis hatte mit seinem zäh und verbissen verteidigten Remis das Mannschaftsremis gerettet: 4:4-Endstand! 

Insgesamt hatten sich die Gescherer Schachfreunde und -freundinnen gegen an allen Brettern deutlich stärkere Spieler gut behauptet, wenngleich das Mannschaftsremis insbesondere auch wegen der Ahauser Unterbesetzung zustande kam.

Am 25.01. werden die Gescherer Schachspieler nach Neuenkirchen fahren, um dort gegen Neuenkirchen I anzutreten, hoffentlich wieder komplett...